Schweizer Konkurrenz zu Google News
Gestern erschien in persönlich.com ein ausführlicher Bericht, dazu dass ein Verbund von sieben deutschschweizer Medienhäusern ein Konkurrenzprodukt zu Google News plant. Die Schweizer Verleger sehen sich bei Google mit dem gleichen Problem wie bei ihren belgischen Kollegen konfrontiert, dass der Suchdienst auf die frei verfügbaren Nachrichten im Netz zugreift und bei sich auf Newsseite die Schlagzeilen listet. Die Verleger befürchten dadurch
«dass vielen Lesern die Textanrisse auf news.google.ch genügen, und sie darauf verzichten, den Artikel in voller Länge auf den Newsportalen der Medienhäuser zu lesen.»
wie David Vonplon den Verband Schweizer Presse zitiert.
In dem Beneluxstaat führte dies zu einem Rechtsstreit vor Gericht, der inzwischen beigelegt wurde. Siehe früherer Beitrag im Blog4Search. Google ist an einer gütlichen Lösung interessiert. Wie diese aussieht und ob, es tatsächlich ein Konkurrenzprodukt geben wird, wird man sehen. Letztendlich kann der Leser nur davon profitieren, denn so könnten die Inhalte freier verfügbar werden.
P.S. Ein kleines «Konkurrenzprodukt» zu Google gibt es schon auf dem Schweizer Markt: Zeitungs-Spider von www.zeitung.ch. Mehr dazu im Beitrag: Schweizer Presseverzeichnis
Journalisten und die Recherche im Internet
Wie Medienrauschen vor kurzem berichtete, hat die PR-Agentur Storymaker durch Smart Research in Deutschland mit der nicht repräsentativen Umfrage herausgefunden, dass Google, Wikipedia & Co verlässliche Recherchequellen für Journalisten sind.
Storymaker geben an:
«Von den 294 Journalisten, die den Umfragebogen komplett beanworteten, gaben 95 Prozent an, dass die Arbeit mit Google für sie «sehr wichtig» oder «wichtig» sei, Das Online-Archive der eigenen Redaktion folgt mit 87 Prozent, dicht gefolgt von Websites von Unternehmen mit 86 Prozent. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia steht mit 74 Prozent auf Rang vier.»
Das gibt recht zu bedenken, denn Google & Co können nicht alle Informationen abdecken. Hinzu kommt, dass für viele Internetuser nur die ersten Treffer bei einem Suchergebnis relevant sind. Wie diese zustande kommen, interessiert die meisten Menschen nicht. Chris Sherman von SearchEngineWatch bezeichnete dies schon vor längerem in der Netzzeitung als Informationsanalphabetismus.
Ob dies für die Schweizer Journalisten anders aussieht? Vor zwei Jahren wurde in einer Studie von Institut für angewandte Medienwissenschaft der Zürcher Hochschule in Winterthur ebenfalls deutschschweizer Medienschaffende zum beruflichen Umgang mit dem Internet befragt. Hier antwortet von rund 3000 angeschriebenen Personen 617 oder gut 20 Prozent und gaben damals mit 97 Prozent an, Google als wichtige Quelle nutzen.
Wichtig bei dieser Studie sind jedoch die Schlussfolgerung der Initiatoren:
«Zwar gibt es für Journalisten kaum Grundsätze, wie sie mit spezifischen Recherchemitteln und Informationsquellen umgehen sollen. Es ist deshalb nicht weiter ungewöhnlich, dass solche Standesregeln auch für das Internet nicht bestehen. Weil aber das Internet in sehr kurzer Zeit zu einem äusserst wichtigen Instrument in allen Phasen der journalistischen Arbeit geworden ist, ist es für Journalisten lohnenswert, einen bewussten Umgang mit diesem vielseitigen und relativ neuen Instrument zu pflegen.»
und geben u.a. den Rat
«Den Zugang zur Welt exklusiv Google zu überlassen ist einseitig und eintönig. Angesichts der Fülle an Angeboten ist die Verlockung gross, auf Google als einzigen Wegweister im Dschungel der Informationen zu verwenden. Die Suche mit Google sollte aber immer auch mit dem Zugriff auf anderweitige bekannte Quellen ergänzt werden. Zudem gilt auch für Google: Nicht immer ist das, was in den ersten 20 Hits erscheint, wirklich relevant oder gar glaubwürdig.»
So gesehen werden auch Redaktionsarchive nicht ganz überflüssig werden. Nur momentan «vermarket» sich Google einfach besser.
Historisches Lexikon der Schweiz - HLS
Das dreisprachige
Historische Lexikon der Schweiz (HLS) wird seit 1988 von der gleichnamigen Stiftung herausgegeben. Das HLS ist als wissenschaftliches Nachschlagewerk konzipiert. Es behandelt die wichtigsten Themen und Gegenstände der Schweizer Geschichte von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart. Das HLS ist in die vier Hauptgebiete Biografien, Familienartikel, Ortsartikel (Gemeinden, Kantone, andere Länder, Herrschaften, Burgen und Schlösser, archäologische Fundorte u. dgl.) und Sachartikel (historische Phänomene und Ordnungsbegriffe, Institutionen, Ereignisse usw.). aufgeteilt. Mittlerweile werden seit 1998 einzelne Artikel auch im Internet als
e-HLS kostenlos zugänglich gemacht.
Link:
Historisches Lexikon der SchweizZeitungsarchive werden wieder gratis?
Lange ist es her, dass man bei Spiegel Online freien Zugang zu den Artikeln des Archivs hatte. Obwohl immerhin hat Spiegel Online sein Archiv teilweise wieder geöffnet wie Blog4Search vor einiger Zeit berichtete. Trotzdem gehen auch in der Schweiz immer mehr Zeitungen, wie beispielsweise die NZZ eher dazu über, ihre Archive nur noch kostenpflichtig über einen der Hosts wie Genios anzubieten.
In den USA, Vorreiter des Paid Contents, scheint dieser Trend nun wieder um zu kehren. Wie es aussieht, erkennt man dort, dass kostenpflichtige Inhalte der Webseiten eines Medienunternehmens die Werbekunden mehr abschrecken als anlocken. Martin Hitz schrieb bereits am 18. März 2005 in seinem NZZ-Artikel,
«... dass das Unternehmen New York Times Digital mit ihrer registrierungspflichtigen, aber überwiegend frei zugänglichen Webseite der «New York Times» im vergangenen Jahr monatlich durchschnittlich 9,2 Millionen Besucher erreichte. Während dagegen die kostenpflichtige Online-Ausgabe des «Wall Street Journal» mit seinen gut 700 000 Abonnenten es nicht einmal auf die Hälfte davon brachte. Dem zufolge erzielt die New York Times Digital auch rund 80 Prozent der Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft, beim Wall Street Journal Online ist es nur halb so viel.»
Aktuell scheint sich dieser Trend aber nun um zu kehren, wie Martin Hitz im Medienspiegel über den
Economist berichtet. Gerüchteweise sollen dies nun auch die «The York Times» und «Wall Street Journal» wieder vorhaben ihre Inhalte, wenigsten teilweise zur freien Verfügung zu stellen, wie sogar die Sonntaggszeitung am 12. August 2007 in einer kleinen Randnotiz unter Multimedia schrieb:
«WSJ.COM bald nur noch werbefinanziert
Die Online-Ausgabe des US-Wirschaftsblatts «Wall Street Journal» wurde jahrelang als lebender Beweis für die erfolgreiche Gebührenpflicht zitiert. Nun soll das «Journal» wieder kostenlos sprich werbefinanziert werden. Dies kündigt der neue Besitzer Rupert Murdoch an.»
Spiegel Online sieht damit ...
«... die letzte - hochprofitable - Bezahl-Seite einer Zeitung vor dem Aus.
Man darf nun gespannt sein, welche Wirkungen dies nun auch bei uns hat. Die Meldung der Sonntagzeitung war jedenfalls nicht frei verfügbar.
Link: Freie Pressearchive
BBS-Weiterbildung: Presserecherche mit Swissdox und freien Quellen im Internet
Die Pressedatenbank
Swissdox ist für die Schweizer Presse eine wichtige Quelle. Im BBS-Kurs Presserecherche mit Swissdox erfahren Sie, wie Sie gezielt mit dieser Pressedatenbank Artikel aus der Schweizer Tages- und Wochenpresse finden. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt des Kurses ist die Presserecherche mit frei zugänglichen Archiven und Quellen im Internet. Der Verband der Bibliotheken und der Bibliothekarinnen/Bibliothekare der Schweiz
(BBS) bietet dieses Tagesseminar im Oktober an der Zentralbibliothek Zürich an.
Am Donnerstag, 4. Oktober 2007 hat es noch freie Plätze! Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.internetrecherche.ch/presserecherchemitswissdox
Anmeldungen zu diesem Kurs nimmt das BBS unter
Anmeldung oder via Email bbs[at]bbs.ch gerne entgegen. Anmeldeschluss ist der 7. September 2007.
Währungsumrechner - Nützlicher Helfer nicht nur für die Ferien
Der Währungsumrechner FXConverter von oanda.com berechnet nicht nur den aktuellen Kurs sämtlicher Währungen, sondern auch frühere Kursdaten sowie unter FXHistory den Verlauf der Währungen. Praktisch gerade jetzt für die Ferien ist das FXCheatSheet, das eine handliche Währungsumrechungstabelle zum Ausdrucken für die Geldbörse erstellt.
Link: FXConverter
ArticleFinder hilft bei der Suche nach Fachartikeln
Weblog Journalismus und Recherche
Für Tipps und Tricks zur Recherche gibt es im Netz viele Weblogs wie das @-web Suchmaschinen Blog, Search Engine Watch oder das Recherchen Blog, das die Autorin mitinitiiert hatte.
Ein Gemeinschafts-Weblog speziell zur journalistischen Recherche entstand Anfang 2006 in Berlin. Im Weblog Journalismus und Recherche geht es neben der Recherche im Internet auch um Themen wie Informationsfreiheitsgesetz, Presserecht, Enten und Stilblüten. Die Autoren wie Marcus Lindemann oder Albrecht Ude engagieren sich im Netzwerk Recherche, das sich vor allem für investigativen Journalismus in Deutschland einsetzt.