Online-Pressearchive vs. Datenbankanbieter
In der letzten Zeit gehen immer mehr Zeitungen und Zeitschriften dazu über, ihre kompletten Archivbestände zu digitalisieren. Im Januar 2005 hatte dies die NZZ zu ihren 225 Jahre Jubiläum angekündigt. Siehe
Webnews von PC Tipp. Damit machen die Verlage, den Datenbankanbietern (Hosts) von Wirtschafts- und Pressedatenbanken wie LexisNexis oder Factiva immer mehr Konkurrenz.
Zwei Beispiele namhafter Verlage zeigen dies recht eindrücklich. Letztes Jahr stellte das
Time Magazine ihr neues Archiv vor, das bis 1923 zurückreicht. Bei LexisNexis sind die Datenbestände nur bis Anfang Januar 1981 vorhanden, bei Factiva gar nicht.
Das zweite Beispiel ist das Archiv der
New York Times (NYT). Es ist sogar bis 1851 online zugänglich. Bei LexisNexis und Factiva findet man nur Artikel bis Anfang der achziger Jahre.
Neben der zeitlich grösseren Erfassung der Datenbestände haben diese Archive auch den Vorteil, dass wie beim Time Magazine, die Recherche auch innerhalb der jeweiligen Ausgabe möglich ist oder die Artikel teilweise als pdfs vorliegen. Bei NYT erhält man über das pdf-Format auch Bilder und Grafiken im Zeitraum von 1851 bis 1995. Natürlich kosten diese Artikel Geld, aber die Bezugspreise sind oft niedriger als bei einem Host, manchmal sogar kostenlos und es fallen auch keine zusätzlichen Abogebühren für die Recherchezeit an.
Recherchen in Hosts sind angebracht, wenn man über mehrere Presseerzeugnisse hinweg suchen will. Bei konkreten Anfragen wie «Was schreibt die NYT über Christos Werk
The Gates im Central Park?» lohnt es sich aber direkt auf die Online-Archive der regionalen Presse zu zugreifen. Wie die NZZ ihr komplettes digitales Archiv zur Verfügung stellen will, ist noch offen.
Link:
Time Magazine - Archiv
Link:
New York Times - Archiv
Registrierung notwendig, Artikel teilweise kostenlos.
Eurostat - Zugang zu Statistiken der EU
Eurostat, das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften stellt seit dem 1. Oktober 2004 alle seine Daten und Veröffentlichungen im Internet kostenlos zur Verfügung. Die mehr als 300 Millionen Daten decken vom Bereich «Wirtschaft und Finanzen», über «Soziale Bedingungen» und «Aussenhandel» hin zu «Wissenschaft und Technologie», alle wichtigen Themen innerhalb der 25 EU-Mitgliedstaaten ab.
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Pressemitteilungen und der Publikation «
Statistik kurz zusammengefasst», damit hier immer auf dem Laufenden bleibt.
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EurostatAuthentizität und Glaubwürdigkeit im Internet
Ein wichtiges Thema bei der Internetrecherche ist die Beurteilung der gefundenen Informationen. Viele Fachleute setzen sich damit auseinander, wie abgeschlossene und laufende Studien zeigen. Für Journalisten aus der Deutschschweiz sind vor allem Webseiten von Verwaltungen und Hochschulen sehr glaubwürdig, wie beispielsweise die IAM/Bernet Studie «Journalisten im Internet 2005» herausfand.
Der Publikumsrat von DRS stufte in einem Communiqué vom 17.2.2006 die neue News-Site der Schweizer Tagesschau als glaubwürdig ein. Die laufende Online-Studie «Recherchestrategien & Authentizität im Internet» des Instituts für Soziologie an der Freien Universität Berlin will neben der Klärung der Frage «Wie werden die Suchergebnisse als wahr oder falsch interpretiert?» auch evaluieren, wie im Zeitalter von Google, im Internet gesucht wird. Betreut wird das Projekt von Dr. Heinz Gralki. Die Befragung dazu läuft noch.
Doch an welchen einfachen Kriterien kann der Laie eine Webseite als glaubwürdig beurteilen? Die Cornell University Library hat dafür schon vor längerem fünf Kriterien für die Evaluierung von Webseiten festgelegt. Abgeleitet davon kann man sagen, dass vier Punkte wichtig sind:
- 1. Identität: Wer schrieb die Webseite? Ist ein Kontakt oder ein Impressum vorhanden. Letzteres ist in Deutschland Pflicht, in der Schweiz noch nicht.
- 2. Referenz des Autors: In welchen Umfeld wurde die Webseite geschrieben? Hochschule, Verwaltung, Unternehmen, NGO, Privat?
- 3. Objektivität: Wie ist der Text geschrieben? Warum wurde der Text geschrieben? Dieser Punkt setzt allerdings beim Lesenden Hintergrundwissen zum Thema voraus, um den entsprechenden Text beurteilen zu können. Hierbei können Quellenangaben, weiterführende Links und Zitierungen auf der Webseite helfen.
- 4. Aktualität: Wie aktuell ist die Webseite? Wird sie regelmässig erneuert? Gibt es viele tote Links?
Wichtig ist natürlich auch, zu versuchen die gefundenen Informationen an einer weiteren Quelle überprüfen zu können.
Links zu diesem Thema:
IAM/Bernet Studie Journalisten im Internet 2005
des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft IAM der Zürcher Hochschule Winterthur in Zusammenarbeit mit Marcel Bernet Public Relations.
Hinweis: Falls der Link zur Studie nicht mehr aktuell ist, können Sie diese auch direkt bei Marcel Bernet Public Relations beziehen. (Stand: 21.11.2007)
Fragebogen der Online-Studie Recherchestrategien & Authentizität im Internet des Instituts für Soziologie an der Freien Universität Berlin,
Fachliteratur zur Internetnutzung, Authentizität, Glaubwürdigkeit und Qualität von Informationen
Forschungsskandal lassen Medien gründlicher recherchieren?
Oft hat man als Zeitungsleserin und -leser den Eindruck, dass Journalisten unter Zeitdruck nicht gründlich genug recherchieren. Investigativer Journalismus wie in den Vereinigten Staaten ist im deutschsprachigen Raum weniger verbreitet, wie Sven Preger in seiner Studie
Mangelware Recherche von 2004 feststellte.
Bezeichenderweise zeigt sich nun in den Staaten ein neuer Trend, nachdem einige Skandale um gefälschte Berichte und Statistiken, wie das Beispiel südkoreanischen Stammzellforscher Hwang Woo Suk vor allem Wissenschaftsjournalisten aufhorchen liessen. Sie verwenden nun mehr Zeit darauf Berichte gründlicher zu prüfen.
Eine Hilfe hierbei bieten bereits seit längerem auch in Europa sogenannte Faktenprüfer, wie es sie beim Focus, Spiegel oder dem Stern gibt. Diese Stellen helfen den Redaktoren bei der Recherche und verifizieren die Artikel. Claus Lochbihler beschrieb diese Arbeit anschaulich in seinem Insight-Artikel «
Facts, Facts, Facts» von Juni 2005. Aber auch ihm ist dabei ein
kleiner Fehler unterlaufen und so taufte er die stellvertretende Dokumentationsleiterin Petra Kerkermeier beim Focus kurzerhand in Andrea um.
Vielleicht hilft der neue Impuls aus den Staaten, dass die Dokumentationen nicht mehr Luxus für die Verlage sind, sondern dadurch auch bei uns in Europa mehr aufgewertet werden und auch die Journalisten mehr Zeit für qualitative Recherchen eingeräumt bekommen.
Hintergrundinfos zu diesem Thema:
Forschungsskandale: Medien recherchieren gründlicher - Quelle: Pressetext Schweiz vom 13.2.2006
Der Verein
Netzwerk Recherche setzt sich seit Frühjahr 2001 in Deutschland für investigativen Journalismus ein.
Sowie früherer Beitrag im Recherchen Blog:
Fact Checking oder «Wie man Geschichtenerzählern auf die Schliche kommt»Zuri.net - Mehr Zürich im Netz
Sucht man im Internet ein Restaurant, ein Hotel, einen Velohändler oder die nächste Arztpraxis greift man oft auf elektronische Telefonbücher wie die
Gelben Seiten zurück. Bei der Eingabe muss man dann häufig die Postleitzahl berücksichtigen, wenn man einen passenden Eintrag in einem Quartier finden möchte. Nicht immer ganz einfach. Seine eigene Postleitzahl weiss man vielleicht noch, aber die von Nachbarquartier? Für Fremde ein fast unmögliches Unterfangen.
Bei den Schweizer Directories -
Gelbe Seiten findet man mit dem Suchbegriffen
Hotel und Zürich fast 400 Treffer, wobei in diesem Test die ersten Angaben eine Reinigung bzw. ein Limousinen Service betrafen. Irgendwie merkwürdig. Inzwischen gibt es eine Reihe
lokaler Suchhilfen im Netz. Diese beziehen sich häufig auf ein bestimmtes Land.
Reto Frei geht mit seinem Internetportal
zuri.net noch einen Schritt weiter. Sein Suchdienst bzw. Branchenverzeichnis beschränkt sich «nur» auf Zürich. Und dies ist hier der entscheidende Vorteil bei der Suche nach einer Firma oder einem Hotel in Zürich. Man kann die Anfrage direkt auf ein bestimmtes Quartier, wie beispielsweise Hottingen (Kreis 7) einschränken. Ausserdem findet man über eine Karte in den einzelnen Quartieren die meistgesuchten Adressen wie Bars, Restaurants oder Kinos. Mittlerweile sind 20.000 Adressen aus Zürich verzeichnet. Daneben bietet das Portal einen virtuellen Marktplatz für Kleinanzeigen sowie eine Agenda mit Veranstaltungshinweisen.
Zuri.net will damit, laut eigenen Angaben vor allem Stadtzürcher und Besucher, die aus der Aglommeration Zürich kommen, ansprechen und eine unabhängige Plattform schaffen, in der man auch Kommentare zu den Firmen und zu Themen in Zürich abgeben kann.
Link:
zuri.net
Nachtrag: Zuri.net wurde im Februar 2006 von der Zeitschrift Anthrazit zu einer der
200 besten Websites der Schweiz gewählt.
Presserecherche mit Swissdox - Einführung
Noch gibt es freie Plätze!
Das Tagesseminar
«Presserecherche mit Swissdox - Einführung» der RechercheAgentur Searchfactory findet am
9. März 2006 in der
Zentralbibliothek Zürich statt.
Organisiert wird dieser Kurs in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Bibliotheksverband BBS und Swissdox. Bis zum 17. Februar kann man sich dafür direkt anmelden beim
BBS. Fachkonferenz des Münchner Kreises zur Suche im Internet
Bloogle wies letzte Woche auf eine interessante Fachkonferenz des MÜNCHNER KREISES zum Thema
Suche und Finden im Internet hin. Sie fand am 1. Februar in München statt und dabei waren bekannte Redner wie Dr. Dirk Lewandowski von der Universität Düsseldorf, der erst vor einem halben Jahr das Buch
Web Information Retrieval veröffentlich hat. Ihre einzelnen Vorträge sind erfreulicherweise als Videoclips incl. Folien auf der Webseite des MÜNCHNER KREISES hinterlegt.
Der
MÜNCHNER KREIS ist laut eigenen Aussagen eine gemeinnützige übernationale Vereinigung für Kommunikationsforschung. Er fördert die Entwicklung, Erprobung und Einführung neuer Kommunikationssysteme durch sachliche Untersuchung und kritische Diskussion. Die Arbeit des MÜNCHNER KREISES ist nicht fachlich spezialisiert, sondern interdisziplinär. Im MÜNCHNER KREIS wirken Personen und Institutionen der Wirtschaft, der Medien, der Politik und der Wissenschaften zusammen.
Link: Konferenz
Suchen und Finden im Internet vom 1. Februar 2006
PR-Guide von Renteria
Seit 1974 verzeichnet das
Schweizer PR- und Medienverzeichnis von Renteria sämtliche Pressestellen, PR-Agenturen und PR-Gesellschaften, Fach- und Publikumsmedien sowie freischaffende Journalisten, Fotografen und Illustratoren der Schweiz. Seit Januar 2005 stellt Renteria daraus den
PR-Guide kostenlos online zur Verfügung. Die Recherche ist nach Name der Agentur oder Gesellschaft, Kanton, Kommunikations- und Branchenkompetenzen sowie nach Agenturgrösse möglich.
Link:
PR-Guide
Verzeichnisse für Newsletter und Mailinglisten
Will man zu einem bestimmten Thema up-to-date bleiben oder wissen, was in einer bestimmten Branche läuft, sind Newsletter und Mailinglisten neben
Weblogs weitere interessante Informationsquellen. Mittlerweile gibt es im Netz aber auch von diesen eine unübersichtliche Anzahl. Verzeichnisse wie Newsmail oder die Newslettersuchmaschine helfen hier weiter.
Link:
Newslettersuchmaschine - Suchmaschine für deutschsprachige Newsletter aus Deutschland, Schweiz und Österreich.
Link:
Newsmail - Verzeichnis für Mailinglisten incl. Online-Tutorial für Newsletter und Diskussionslisten.
Internet für Medienfachleute
Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) in Bern bietet in Zusammenarbeit mit der Rechercheagentur Searchfactory 2006 die Recherchekurse
Internet für Medienfachleute an.
Das nächste Tagesseminar findet am Donnerstag 23.2.2006 von
8.30 bis 17.00 Uhr in Bern an der Mühlemattstrasse 50 im Kurslokal Eiger statt.
Noch hat es freie Plätze. Weitere Informationen dazu finden Sie unter
Kursdetails. Anmelden dafür können Sie sich direkt beim BIT unter
Kursdaten/Anmeldung
Searchfactory - Die RechercheAgentur